Erste Tagung für landwirtschaftliche Ausbildungsbetriebe in der Oberpfalz
Wissen zur Ausbildung aufgefrischt

Mehr als 60 Ausbilderinnen und Ausbilder aus der ganzen Oberpfalz besuchten die erste gemeinsame Fortbildung der Regierung der Oberpfalz mit den Berufsbildungsämtern Nabburg und Weiden am 19. Februar 2020 in Wernberg-Köblitz. Sie informierten sich aus erster Hand zur Berufsausbildung, den neuen Lehrplänen und zur praktischen Abschlussprüfung.

Breiten Raum nahmen Fragen des Arbeitsrechts bei Auszubildenden und die Diskussion einer Modernisierung der praktischen Abschlussprüfung in der Landwirtschaft ein. Ein Einblick in die neue Generation Z wirbt um Verständnis für die nach 1995 geborenen Auszubildenden.
"Wir wollen Sie aus erster Hand über aktuelle Themen in der Berufsausbildung informieren und Ihnen Gelegenheit bieten, sich kennenzulernen und zu praktischen Fragen der Ausbildung auszutauschen", so Angelika Spitzer, Leiterin des Sachgebiets Ernährung, Bildung Diversifizierung Land- und Hauswirtschaft an der Regierung der Oberpfalz.
Neuerungen im Berufsbildungsgesetz
Johannes Völkl, Berufsbildungsberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weiden, stellte die Schülerzahlen im Berufsgrundschuljahr in der Oberpfalz vor. Sie sind leicht rückläufig und sanken von über 80 auf knapp über 60 im laufenden Schuljahr. Mit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes zum 1. Januar 2020 sei es nun grundsätzlich möglich, die landwirtschaftliche Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Die Kürzung dürfe aber nicht unter 50 Prozent fallen, die Ausbildungszeit verlängere sich entsprechend, jedoch höchstens bis zum Eineinhalbfachen.
Völkl betonte auch die Bedeutung des Berichtshefts für die Ausbildung heraus. Ein Berichtsheft online zu führen per App, wie es im Handwerk durchaus bereits üblich ist, habe sich aber in der Landwirtschaft noch nicht durchgesetzt.
Neue Lehrpläne an den Berufsschulen
Die neuen kompetenz- und lernfeldorientierten Lehrpläne sollen die Handlungskompetenz und damit die Fach-, Selbst-, Sozial- und Medienkompetenz der Schülerrinnen und Schüler fördern. Franz Josef Baeck vom Berufsschulzentrum Neustadt a.d.W. erläuterte am Lernfeld 9 "Tiere füttern" des Lehrplans im Berufsgrundschuljahr, wie sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema auseinandersetzen und diese Kompetenzen erarbeiten.
Praktische Abschlussprüfungen modernisieren
Hartmut Krämer, Fachmitarbeiter für Agrarwirtschaft an der Regierung der Oberpfalz und Lehrer an der Berufsschule in Wiesau stellte die Frage "Wie können wir die Azubis besser auf die Prüfung vorbereiten?". Um hier praxisnahe Antworten zu geben, hat er die Ausbildungsbetriebe seiner Schülerinnen und Schüler nach dem Stand der Technik im Pflanzenschutz, der Düngerausbringung oder der Fütterung befragt. Die Rückmeldungen zeigen, dass eine große Lücke klafft zwischen der Realität auf den Ausbildungsbetrieben und dem Stand der Technik bei der Abschlussprüfung.
Während in der Abschlussprüfung immer noch das Auslitern von Spritzen und Abdrehen der Düngerstreuer geprüft wird, arbeiten die Auszubildenden auf den Betrieben mehrheitlich mit elektronisch gesteuerten Pflanzenschutzspritzen und Düngerstreuer bzw. Kraftfuttergaben im Kraftfutterstand. Krämer schlägt deshalb vor, wieder zur Prüfung auf den Lehrbetrieben zurückzukehren. Dort kenne der Auszubildende die Technik. Wichtig wären aber dann Abschlussprüfungen, die kompetenzorientiert abprüfen, ob der Lehrling das Grundprinzip verstanden hat. Die anschließende Diskussion unter den Ausbildern machte das Für- und Wider einer Prüfung auf dem Lehrbetrieb deutlich.
Arbeitsrechtliche Fragestellungen
Florian Bacherle vom Arbeitgeberverband für die Land- und Forstwirtschaft in Bayern gab einen Überblick über arbeitsrechtliche Fragen in der Ausbildung von der Anwerbung des Auszubildenden über den Abschluss des Ausbildungsvertrags, die Vergütung und Probezeit bis hin zur Auflösung oder Beendigung. Weil es sich in der Regel um jugendliche Auszubildende handele, sei gerade die Arbeitszeit streng reglementiert, so Bacherle. Einem nicht volljährigen Azubi könne daher auch nicht eine Viertage-Woche mit zehn Arbeitsstunden pro Tag gewährt werden, selbst wenn die Eltern dies aus praktischen Erwägungen unterstützen würden.
Wie tickt die Jugend?
Auf den Ausbildungsbetrieben sei inzwischen die sogenannte Generation Z angekommen, so Albert Feldkircher, Ausbildungsberater am AELF Schwandorf. Die ab 1995 Geborenen seien geprägt von einem besonderen Erziehungsstil: Sie durften schon als Kleinkinder überall mitentscheiden, wurden von den Eltern hochgelobt, sind Kritik eher nicht gewohnt und finanziell und materiell verwöhnt. Für die selbstbewusste Generation Z ist Digitalisierung real, sie sind sehr interessiert an neuer Technik und neuen Medien. Sie zeigen Spaß an der Arbeit, wenn das Thema passt.
Vom Ausbilder erwarten sie klare und verlässliche Aussagen und Transparenz, warum man etwas exakt so machen soll. Sie wollen keinen Kumpel, den haben sie im Netz oder in der Freizeit. Feldkircher empfiehlt den Ausbilderinnen und Ausbildern authentische Vorbilder zu sein und respektvoll miteinander umzugehen. Regeln und Grenzen wären wichtiger denn je. Das Wissen darüber, wie diese Generation tickt, fördere das Verständnis und die Akzeptanz. "Sie sind nicht besser oder schlechter, sie sind nur anders!", beschreibt Feldkircher die Generation Z. Lebhafte Diskussionen im Publikum zeigten, dass sich die Ausführungen mit den Wahrnehmungen der Anwesenden decken.
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Regelmäßiges Fortbildungsangebot geplant
Die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer zeigen, dass die Ausbildertagung eine Lücke schließt. Die Regierung der Oberpfalz und die Berufsbildungsämter werden künftig in regelmäßigen Abständen Fortbildungstage gemeinsam mit den Berufsschulen anbieten. Die Themenwünsche reichen von "Frauen in der landwirtschaftlichen Ausbildung" über Themen der Berufsgenossenschaft hin zu Berichten von Ausbildern mit Anregungen und Tipps aus der Praxis.